Team- und Fall-Supervision in Institutionen

Seit 1996 arbeite ich kontinuierlich als Supervisor in unterschiedlichen Settings mit Mitarbeiterteams oder offenen Gruppen aus pädagogischen und therapeutischen Berufsfeldern - überwiegend fallbezogen und methodisch an der klassischen „Balint-Gruppe“ orientiert. Hierbei geht es darum, anhand eines in der Gruppe vorgestellten Falls, gleichsam im vielfältig reflektierten Spiegel der Gruppe etwas von dessen teilweise unbewusstem, innerseelischen Geschehen zu erfahren und besser verstehen zu lernen. Diese Zusammenschau der jeweils ganz eigenen und unterschiedlichen emotionalen Resonanzen der Teilnehmer eröffnet ein differenzierteres Verständnis der vielschichtigen inneren und äußeren Konflikt- und Beziehungsdynamik, in die uns unsere Klientinnen und Klienten immer wieder verstricken.
Insofern jedoch der ausschließlich fallfokussierte Blick per Definition die allgegenwärtigen team- und organisationsspezifischen Dynamiken und deren Rückwirkungen auf die Arbeit mit den Klienten bewusst ausblendet, können - besonders, wenn in Zeiten drängender institutioneller Umbrüche, diese mit heftigen, teilweise unbewussten Ängsten, Konflikten und Widerständen einhergehen - diverse Formen von Arbeitsstörungen im Team nicht ausbleiben. So kann es geschehen, dass gerade im Fokus auf die vorgetragene Fallgeschichte im Spiegel eines belasteten Mitarbeiterteams, die innere Dynamik des „Falls“ von der aktuellen Konfliktdynamik des Teams völlig überlagert wird. Es hat sich als sinnvoll erwiesen, derartige Prozesse im Team und der gesamten Organisation als „andere Seite der Medaille“ stets mitzureflektieren, um sie an geeigneter Stelle zeitnah bearbeiten und so einen unverstellten Blick auf den „Fall“ wieder herstellen zu können.
Gruppenanalytische Supervision hebt die Aufspaltung von Fallarbeit und Teamsupervision auf und eröffnet - in Modifikation der „freien Assoziation“ aus der psychoanalytischen Einzeltherapie - den Raum zur freien Kommunikation in der Gruppe über alles, was die TeilnehmerInnen im Rahmen ihrer Arbeit in dieser Einrichtung beschäftigt. Der genuin integrative gruppenanalytische Ansatz ist damit gleichermaßen auch in Richtung Team- und Organisationsentwicklung geöffnet.